Dass Turnschuhe etwas Besonderes, wenn nicht sogar etwas Magisches an sich haben, davon war und bin ich seit jeher überzeugt. Dass ich mich in diesem Irrglauben nun auch tatsächlich bestätigt fühlen darf, das verdanke ich der lieben Sonja.

Besser gesagt ihrem Schuhwerk, dem schwarzen Air Max 97. Erblickt in einem Berliner Store, aufmerksam beobachtet durch ihren Schnucki und resultierend in einem überraschenden Wiedersehen unter dem Weihnachtsbaum. Mir entgeht eben nichts.

Als die neuen Lieblingstreter dann auch noch die starken Fußschmerzen wie von Geisterhand verschwinden ließen, war die Unzertrennlichkeit schließlich besiegelt. Und mein anfangs angedeuteter Irrglaube. Heilende Kräfte also.

Ob nun auf eine Risikoverringerung des wiederkehrenden Schmerzes oder auf das wahnsinnig schöne Tragegefühl zurückzuführen, Fakt ist, die luftgepolsterten Sneakers dürfen zu jedem Anlass mit. Und zu jedem Outfit. Zu jeder Jahreszeit. Ungebunden.

Am liebsten aber beim Erhöhen des Kilometerstands im Rahmen eines ausgiebigen Spaziergangs in trauter Zweisamkeit. Auf den Freund bezogen. Oder Schuhe miteinbezogen: In trauter Viersamkeit. Wie auch immer. Sonjas coolster Sportschuh ever.

Das Gift loswerden. Die Fehler und Schuld nicht mehr bei anderen suchen. All die Bosheit, Eifersucht, den Streit, die Verwirrung vertreiben. Vergeben. Ein neuer Geist. Eine neue Sichtweise. Eine neue Perspektive. Keine Verschwendung mehr. Kämpfe dafür, woran du glaubst. Lebe für diesen Moment. Lebe für dieses Gefühl. Es ist dein Leben. Fahre es, als hättest du es gestohlen.

Human. Steve Angellos zweites Soloalbum. Menschliche Inhalte unter Decknamen der Allmächtigkeit. Lord, God, Eros. Nach Wild Youth lagen die Erwartungen hoch. Steve übertraf sie. 21 Tracks, 21 abstrakte Kunstwerke, ein dunkles Ganzes. Es ist schwarz. Schwarze Magie. Die Schöpfung eines Magiers, der auch nur Mensch ist und sich mit seinem Style weiter distanziert. Richtung Underground.

Tief, mystisch, hochdramatisch. Der unverkennbare Sound Steve Angellos. Eindeutiger denn je. Ein Wagnis voller Bässe, geprägt von Experimenten. Experimente wie Rejoice oder 21:. Gelungene Experimente. Ein Album gegen den Mainstream im progressiven House. Ein gesegnetes Werk. Als Abrechnung mit der Vergangenheit. Für einen neuen freien Weg. Göttlich. Stylisch. Menschlich.



Connys peinlichstes Erlebnis in ihrem Lieblingsschuh nahm glücklicherweise nicht nur ein gutes Ende, sondern bescherte der 31-jährigen Kindergartenpädagogin auch eine ganz neue Erfahrung. Und zwar, dass sich ihr Sk8-Hi auch bestens zum Sprinten eignet. Machte sich doch tatsächlich ihr Longboard selbstständig, rollte in Richtung Bundesstraße und legte durch eine verursachte LKW-Vollbremsung für einige Sekunden den Verkehr der südburgenländischen Metropole Jennersdorf lahm.

Bis auf Aussetzer wie diesen, sind Conny und ihr schwarzer Sk8-Hi aber ein eingespieltes Team, was sich regelmäßig und besonders in Konzerthallen oder am Festivalgelände bewährt. Die Bequemlichkeit, in erster Linie zurückzuführen auf die Breite des Schuhs, war der ausschlaggebende Punkt für den Kauf. Denn Sk8-Hi Erfahrung hatte Conny bereits zur Genüge in ihrem roten Paar aus San Francisco gesammelt.

Darüber hinaus passt die schwarze Alternative zu jedem ihrer Outfits. Ob also bei der Behinderung des Fließverkehrs auf Jennersdorfs wichtigster Straßenverbindung, beim anschließenden Weltrekordversuch im Vollsprint, während des Genusses ihrer rockmusikalischen Leidenschaft, oder bei der Früherziehung der ihr überlassenen Schreihälse. Connys Sk8-Hi darf immer mit.

Mitbringsel

Heute mal wieder etwas Kunst. Frisch von der Straße. Aber nicht aus unserer schönen Wiener Stadt. Diesmal als kleine Mitbringsel. Aus anderen schönen Städten, in denen ich in der letzten Zeit so unterwegs war. Beide Wochenendtrips fanden im März statt. Zunächst stand Turin am Programm, zu Ostern dann Graz.

Turin. Abflug Samstag in der Früh. Viele Jahre wusste ich nicht einmal, dass Samstag auch einen Morgen hat. Aber kein Verschlafen. Mit knapp 300 Stundenkilometer ging es dann im Hochgeschwindigkeitszug von Mailand nach Turin. Reisegrund war ein Fußballspiel. Untypisch dazu das Graffiti Foto. Aber es entstand.

In Graz begegnete mir hingegen ein Strichmännchen. Versteckt hinter dem Kunsthaus, musste ich dieses bizarre Kerlchen fotografisch einfangen. Der Kopf als Körpermitte und Ursprung aller Gliedmaßen. Schüchtern der Blick. Blau der Hintergrund und etwas eingezwängt die Körperhaltung. Absolut sympathisch.

Drei Mal unumstrittener Sieger bei der Wahl zum „am coolsten gekleideten Lehrer“. Auch dank seines Schuhwerks. Das ist die Geschichte von Stefan und seinen Pumas aus echtem Leder. Schöne Erinnerungen. Denn mittlerweile genießt der bald 68-Jährige seinen wohlverdienten Ruhestand. Sehr sogar.

Seine gut gepflegten Lederschuhe trägt er nun am liebsten in der warmen Jahreszeit beim Einkaufen oder am Sportplatz und kombiniert sie zu legeren Outfits. Das angenehme Tragegefühl, die Leichtigkeit zweier Federn, das zeitlose und gut aussehende Design sind für Stefan nicht zu toppen. Durch keinen Schuh der Welt.

Sein Sohn David schenkte ihm das Paar einst zu Weihnachten. Im Jahre 2007. Nach einem Praktikum in Herzogenaurach bei der springenden Raubkatze. Dem Hersteller. Es handelt sich also quasi um einen Import. Seitdem ist Stefans Sohn auf Schritt und Tritt bei ihm. Das macht den Schuh auch so besonders für ihn. Danke Papa.

Ich verspürte Wut und Traurigkeit zur gleichen Zeit. Während eines Abendspaziergangs auf der Kärntner Straße sah ich eine grinsende Frau. Mit ihrem Handy machte sie Fotos eines am Boden liegenden, bettelnden Menschen. Jahre vergingen seitdem. Meine mit diesem Erlebnis in Verbindung stehende Gefühlslage hat sich aber kein bisschen geändert.

Kein Mensch hat sich die Scheiße, in der er sich befindet, ausgesucht. Jeder Mensch verdient sich Respekt. Eine würdevolle Behandlung. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Unter dem Ehrenschutz unseres Bundespräsidenten Dr. Alexander Van der Bellen findet von 2. bis 5. Mai 2018 die Wiener Woche der Würde statt. Am Programm stehen Vorträge und Diskussionen: Würde und Frauen, Würde und Wirtschaft, Würde und Management, Würde und Armut, Würde und Flucht, Würde und Medien und Würde und Menschlichkeit. Weekofdignity.org.

Samuel ist 18 Jahre und Schüler des Goethegymnasiums in Wien. Sein Alter und seine Schule lassen korrekte Schlüsse auf sein kürzlich bevorstehendes Maturantendasein zu. Freizeittechnisch lebt er seine Leidenschaft zu Parkour aus. So sehr, dass er seine Skills mittlerweile auch als Trainer weitergibt und sich durch sein Hobby ein schönes Taschengeld dazuverdient.

Präsentieren darf ich euch heute Samis adidas Essential Star 3 in. Ein Turnschuh, auf den er über die Parkour Community gestoßen ist. Aufgrund der Empfehlung mehrerer Athleten und intensiviert durch Gefallen am Design war der Kauf nahezu obligatorisch für ihn. Seit ungefähr einem halben Jahr trägt er ihn nun. Wann und wo sollte selbsterklärend sein.

Die so gut wie nicht vorhandene Dämpfung trägt auf wundersame Weise zum Tragekomfort bei, was am daraus resultierenden und erhöhten Bodengefühl in den Füßen liegt. Ein nicht unwesentlicher Faktor bei diversen Moves seines Lieblingssports, von denen Samuel schon einige in seinem Star 3 gelernt hat. Und mindestens genauso viele Verletzungen zog er sich schon zu.

Shoestories kennt ihr nun. Lange schwirrte die Idee in meinem Kopf herum. Über ein Jahr. Dann besorgte ich mir endlich eine professionelle Fotobox für Produktfotografie. Leider nur die halbe Miete. Denn für eine brauchbare Umsetzung kam ich nicht mehr drum rum, mich mal detailliert mit meiner Kamera und den unendlichen Weiten der Fotografie zu beschäftigen.

Die investierten Stunden kosteten mir hochheiligen Schlaf. Aufsummiert sprechen wir von fast drei investierten Nächten bis ich vom Laienstatus befreit war. Multipliziert man diese drei Nächte mit dem mich begleitenden Verzweiflungsfaktor, sind wir bei einem Jahr meines Lebens angekommen, um das ich während dieser Prozedur letztendlich altern musste.

Mit den Ergebnissen kann ich leben. Ihr hoffentlich auch. Schließlich wurdet ihr schon mehrfach mit meinen Schuhbildkreationen zwangsbeglückt. So wie Batman von Joker. Oder Joker von Batman. Hier. In meiner von Chaos bis Kunst reichenden Welt. Künstlerisches Chaos oder chaotische Kunst. Als Vorgeschmack und Hinweis auf mehr. Mehr als nur Schuhe.

Flo ist Wahl-Grazer. Alterstechnisch kann er sich langsam aber sicher auf das Ende seiner glorreichen Zwanzigerdekade vorbereiten. Beruflich lässt er sein Fachwissen in wichtige IT-Projekte eines Logistikdienstleisters einfließen. Und privat rockt er gerne seinen Air Jordan 4 Thunder.

Am liebsten tut er das im Nachtleben des Wochenendes. So entwickelte sich sein schwarzgelbes Schuhwerk zum Denkmal an eine Serie legendärer Partynächte mit seinem besten Freund. Ein Schuh, an dem jedoch nicht nur Erinnerungen und Spaß hängen. Sondern auch eine gewisse Hingabe.

Denn es war Liebe auf den ersten Blick. Gesehen am Fuß seiner Style Ikone, einem DJ und Part eines epischen Trios. Nicht zuletzt ließ er sich diese musikalische Leidenschaft unter die Haut seines Rückens stechen. Aus Liebe zu Style und Musik entstand also auch die Liebe zu diesem Schuh.

Eine außergewöhnliche Liebe. Denn „interessant ist, was rar ist“ und getreu diesem Leitspruch würde Flo seine Thunder niemals im Alltag tragen. Der Anlass muss ein besonderer sein. Oder die Stimmung. Und schon ist das seltene, markante und farblich elegante Donnerwetter perfekt.

Schwedische Stunde

Meine Laune ist mies. Am Tiefpunkt. Hat nichts mit dem heutigen Montag zu tun. Vielmehr mit dem gestrigen Tag. Einer der beschissensten Sonntage meines Lebens. Dabei war es ein besonderer Sonntag.

Für das Electronic Dance Music Universum bedeutete dieser 25. März 2018 den 20. Geburtstag des Ultra Music Festivals. Aber viel wichtiger: Eben auch die Reunion der Swedish House Mafia.

Wenn auch nur für eine Stunde oder einen gemeinsamen Set. Ich möchte gar nicht wissen, was sich der Veranstalter dieses Jahrhundertspektakel kosten lassen musste. Vor allem, um Steve auf die Bühne zu bekommen.

Verschwörungstheoretikern ging jedenfalls einer ab, denn Hinweise im Vorhinein gab es massenweise. Ebenso war Ultra in aller Munde und den drei Schweden hat es mit Sicherheit auch nicht geschadet.

Auf der Bühne, wo das Projekt vor ziemlich genau fünf Jahren zu Ende ging, gab es also eine Auferlebungsstunde der Swedish House Mafia. Auferstanden sind sie nicht. Happy Birthday Ultra!