Flat Eric. Ende der Neunziger ein Star. Weltbekannt. Den Ruhm erlangte die gelbe Stoffpuppe mit coolen Auftritten in diversen TV-Spots eines Jeansherstellers und in einer Reihe von Musikvideos aus dem Genre der elektronischen Tanzmusik. Jeder kannte Flat. Und jeder liebte Flat.

Es folgte ein Absturz in die Belanglosigkeit. Die Kehrseite der Berühmtheit machte auch vor Flat Eric keinen Halt. Schonungslos bekam er die volle Breitseite zu spüren. Plötzlich war er von der Bildfläche verschwunden. Und kein Schwein schien sich daran zu stören. Armer Kerl.

Gut ein Jahrzehnt später der Versuch seines damaligen Förderers, ihn mittels neuem Album zu alter Popularität zu verhelfen. Es blieb beim Versuch. Die Tür zur großen Weltbühne schien für Flat verschlossen zu bleiben. Zurück in die Belanglosigkeit. Er lernte zu akzeptieren.

Über das Internet entstand der Kontakt zu mir. Zurückgezogen lebte er mittlerweile in England, die Vergangenheit drohte ihn aber einzuholen, ein Tapetenwechsel war dringend notwendig. Er tat mir leid. 2018 holte ich ihn schließlich nach Wien. Wir gründeten eine WG.

Aus Mitbewohnern entwickelten sich Freunde. Flat fühlt sich pudelwohl in seiner neuen Heimat. Spaß steht an erster Stelle, so lassen sich die bösen Geister der Vergangenheit besiegen. Das Leben sollte eben nicht immer allzu ernst genommen werden. Wie auch Teile dieses Inhalts.

Loyalität. Eine Haltung, die auf Beständigkeit beruht. Und auf Verbundenheit basiert. Eine ehrliche Eigenschaft. Tief in einem drin. Gegenüber Menschen, gegenüber Gruppen, gegenüber Gemeinschaften. Diese Menschen können Sportler sein. Idole. Diese Gruppen können Teams sein. Vereine. Mannschaften.

Und eine Ausdrucksweise dieser inneren Verbundenheit können Kleidungsstücke sein. Jerseys. Die Dienstuniformen der Athleten. Aber auch jene ihrer Anhänger. Als Symbol der Zugehörigkeit und ihres Supports. Pure Identifikation. Als würden sie an der Seite ihrer Halbgötter am Spielfeld stehen.

Verziert durch die Farben des jeweiligen Teams, durch Nummern, Spielernamen und ein Mannschaftslogo zogen mich die Polyesteroberteile seit jeher in ihren Bann. Keine Woche verging während meiner Schulzeit, in der ich mir nicht mindestens einmal ein Trikot eines Lieblingsteams oder -wettkämpfers überstreifte.

Inspiriert durch den Style diverser Rapper aus Musikvideos und getrieben von meiner Leidenschaft für den Sport entstand die Liebe zu dieser Art von Stil. Ein Leben lang werde ich dieser Linie treu bleiben. Loyal bleiben. Und die Farben meiner Idole wie auch meinen sportlichen Lifestyle öffentlich zur Schau stellen.

Im Mai nächsten Jahres wird die Swedish House Mafia in der Hauptstadt ihrer schwedischen Heimat ein Comeback-Konzert geben. Ein Ereignis, das sich jeder Fan zwar sehnsüchtig erhofft, dennoch aber niemals erwartet hätte. Wie auch immer. Ich nutze die Gunst der Wiedervereinigung und huldige nun den Stil der drei Schweden. In kleidungstechnischer Hinsicht.

Dunkel, nahezu durchgängig schwarz. Sportlich locker. Gepaart mit zielsicherer Coolness. Besonders in ihrer Blütezeit prägte mich der Style des Trios und machte aus meinem Kleidungsstil einen Mash-Up aus Hip-Hop-Rhymes und House-Beats. Seit jeher stellt Musik und ihre Künstler für mich die Inspirationsquelle Nummer eins dar. Betreffend meiner Kleidung.

Sneakers: Speziell Steve Angello punktete hier regelmäßig bei mir. Mit diversen Vierer-Jordans wohlgemerkt. Jeans: Was anderes kann ich mir an meinen Beinen schwer vorstellen. Aber bitte mit zeitgemäßem Schnitt. T-Shirt: Schlicht und am besten unbedruckt. Lederjacke: Ein Teil, das zur Grundausstattung jeder Garderobe zählen sollte. Hat dieses gewisse Etwas.

Meine Entscheidung steht fest. Ich orientiere mich um. Gründe mein eigenes Start-up. Im Drogen-Business. Denn ich weiß nun, worauf es ankommt. Woher ich beziehe. Wen ich dafür benötige. Wie ich das Zeug über Grenzen bekomme. Und es euch verkaufe. An alle Pablo Escobars und El Chapos da draußen! Haltet euch fest, jetzt komme ich!

Oder doch nicht? Vielmehr beschäftigt sich der Wirtschaftsjournalist Tom Wainwright damit, wie sehr Drogenkartelle wirtschaftlichen Unternehmen ähneln. Human Resources, eine Supply Chain oder Public Affairs, da wie dort von essentieller Bedeutung. Dieselben Prinzipien, nur andere Spielregeln. Moralisch fragwürdig und geprägt von Brutalität.

Darüber hinaus gibt der als Korrespondent nach Mexiko ausgewanderte Autor Empfehlungen zur nachhaltigen Einschränkung illegaler Drogenmachenschaften. Ob mittels Gefängnisarbeit, oder systematischer Cannabis-Legalisierung. Untermauert durch Best Practices diverser Länder. Und nicht auf Kosten südamerikanischer Bauern.

Die Geburt meiner kleinen Bücherpassion bedurfte also den Fortschritt meines Alters. Lesen als Methode der Pflege von Gehirn und Geist. Als Form der Weiterbildung und Entspannung. Als Bescherung eines Gefühls der Genugtuung. Wort für Wort. Seite für Seite. Kapitel für Kapitel. Bis hin zu einem vollendeten Werk. Das man fest in den Händen hält.

Es war einmal ein besonderer Ort im Herzen Wiens. Ein prunkvoll gestaltetes Kellerareal, dessen gegenwärtiger Zweck im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Lokalität ziemlich befremdet wirkt. Ein Schuhgeschäft. Im edlen Mantel eines nächtlichen Vergnügungsortes. Ob blinkendes Bunt-, oder simples Rotlicht, sei dahingestellt.

Fakt ist, dieser Ort verbirgt besohlte Schätze in einer unvorstellbaren Variation. Zum Teil längst totgeglaubte Stücke. Dreien konnte ich auf Anhieb nicht widerstehen. Seitdem zieren sie meine Füße und ziehen straßenseitig bewundernde Blicke auf sich. Mich. Und beweisen Schritt für Schritt, dass wahre Coolness viel besser hypelos funktioniert.

Es bedarf keiner limitierten Edition und schon gar keinem Modell aus dem Standard-Repertoire eines Mainstream-Roboters. Es reichen Individualität und Kreativität. Mit einer kleinen Portion Egoismus. Denn mit großer Sorgfalt bewahre ich meine Individualität und beende eine Schuhgeschichte, die wie ein Schuhmärchen klingen mag.