Vorgestern an der Wiener Ringstraße entlang des Donaukanals. In der dämmernden Schwüle eines frühsommerlichen Abends. Und im Visier einer Schützin. Eines kleinen Mädchens. Mit einem Maschinengewehr. An der Front des seitlich in Flammen stehenden Ringturms. Ein Anblick, der so gar nicht in unser Gesellschaftsbild passt.

Oder doch? Verstörend, schockierend, gewagt, genial. Die Reaktionen liegen im Auge des Betrachters, unabhängig davon wird ein jeder aus seiner Komfortzone gelockt. Gefolgt von einem Denkanstoß, der möglicherweise schnell im Keim der Verdrängung erstickt. Die wiederum sehr wohl in unsere Gesellschaft passt.

Eine Gesellschaft, gesteuert von Kapitalismus. Zerstört von Gier nach Geld und Macht. Gewalt und Krieg als verheerende Folge und wachsender Teil unseres Lebens. Faktisch und fiktiv. Sowohl im wahren, als auch im virtuellen Leben. Darin Kinder. Unschuldig. Hilflos. Gefangen in der Gräuel eines zum Scheitern verurteilten Systems.

Gottfried Helnweins Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Der Künstler will dem Beachtung schenken, wo andere nicht hinsehen wollen. Mit dem Ziel, zum Umdenken zu bewegen. Bevor alle Werte zerstört sind. Im Zentrum steht das unschuldige Kind. Tituliert mit einem Zitat von Francisco de Goya. Einem Künstler, der vor 200 Jahren schon hinsah.