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Flat Eric. Ende der Neunziger ein Star. Weltbekannt. Den Ruhm erlangte die gelbe Stoffpuppe mit coolen Auftritten in diversen TV-Spots eines Jeansherstellers und in einer Reihe von Musikvideos aus dem Genre der elektronischen Tanzmusik. Jeder kannte Flat. Und jeder liebte Flat.

Es folgte ein Absturz in die Belanglosigkeit. Die Kehrseite der Berühmtheit machte auch vor Flat Eric keinen Halt. Schonungslos bekam er die volle Breitseite zu spüren. Plötzlich war er von der Bildfläche verschwunden. Und kein Schwein schien sich daran zu stören. Armer Kerl.

Gut ein Jahrzehnt später der Versuch seines damaligen Förderers, ihn mittels neuem Album zu alter Popularität zu verhelfen. Es blieb beim Versuch. Die Tür zur großen Weltbühne schien für Flat verschlossen zu bleiben. Zurück in die Belanglosigkeit. Er lernte zu akzeptieren.

Über das Internet entstand der Kontakt zu mir. Zurückgezogen lebte er mittlerweile in England, die Vergangenheit drohte ihn aber einzuholen, ein Tapetenwechsel war dringend notwendig. Er tat mir leid. 2018 holte ich ihn schließlich nach Wien. Wir gründeten eine WG.

Aus Mitbewohnern entwickelten sich Freunde. Flat fühlt sich pudelwohl in seiner neuen Heimat. Spaß steht an erster Stelle, so lassen sich die bösen Geister der Vergangenheit besiegen. Das Leben sollte eben nicht immer allzu ernst genommen werden. Wie auch Teile dieses Inhalts.

Meine Entscheidung steht fest. Ich orientiere mich um. Gründe mein eigenes Start-up. Im Drogen-Business. Denn ich weiß nun, worauf es ankommt. Woher ich beziehe. Wen ich dafür benötige. Wie ich das Zeug über Grenzen bekomme. Und es euch verkaufe. An alle Pablo Escobars und El Chapos da draußen! Haltet euch fest, jetzt komme ich!

Oder doch nicht? Vielmehr beschäftigt sich der Wirtschaftsjournalist Tom Wainwright damit, wie sehr Drogenkartelle wirtschaftlichen Unternehmen ähneln. Human Resources, eine Supply Chain oder Public Affairs, da wie dort von essentieller Bedeutung. Dieselben Prinzipien, nur andere Spielregeln. Moralisch fragwürdig und geprägt von Brutalität.

Darüber hinaus gibt der als Korrespondent nach Mexiko ausgewanderte Autor Empfehlungen zur nachhaltigen Einschränkung illegaler Drogenmachenschaften. Ob mittels Gefängnisarbeit, oder systematischer Cannabis-Legalisierung. Untermauert durch Best Practices diverser Länder. Und nicht auf Kosten südamerikanischer Bauern.

Die Geburt meiner kleinen Bücherpassion bedurfte also den Fortschritt meines Alters. Lesen als Methode der Pflege von Gehirn und Geist. Als Form der Weiterbildung und Entspannung. Als Bescherung eines Gefühls der Genugtuung. Wort für Wort. Seite für Seite. Kapitel für Kapitel. Bis hin zu einem vollendeten Werk. Das man fest in den Händen hält.

„Drückt die Welt dir aufs Gemüt, weil sie bloß Leid und Schmerz versprüht. Siehst du nur Qual, Verderben, Krieg und lebst in Pein. Dann gibt’s da etwas das ich tu. Ein Rat von mir das kannst auch du. Dann grinst du garantiert, der Spaß ist dein. Das fetzt. Einfach durchdrehn. Die an-Lampen-Motten schwirren. Man muss durchdrehn. Schäumt vor Wut, dass Scherben klirren. Es kann herrlich sein, weist man sich nur ein. Alles ist leicht ausgeschwitzt. Wirf den Trübsinn raus, zieh ins Irrenhaus. Gute Laune wird gespritzt. Du sollst aufdrehn wie auf Speed beim Karneval. Fast schon draufgehn, bleib beim Wahnsinn gut am Ball. Wenn der Mensch verzagt, sich mit Sorgen plagt. Wenn die Bombe hochgehn wird. Wenn dem Kind was blüht, gehts nicht aufs Gemüt. Du kannst bloß ganz unbeirrt. Wenn du durchdrehst, ist der schlau, der trotzdem lacht. Weil du weg willst. Staub im Wind wirst unbedacht. Kram verlässt dich beim Empfang im Heim. Wer mal stürzt, muss nicht aufstehn. Der kann liegend durchdrehn.“ Der Joker. In Batman: The Killing Joke. Singend.


Vorgestern an der Wiener Ringstraße entlang des Donaukanals. In der dämmernden Schwüle eines frühsommerlichen Abends. Und im Visier einer Schützin. Eines kleinen Mädchens. Mit einem Maschinengewehr. An der Front des seitlich in Flammen stehenden Ringturms. Ein Anblick, der so gar nicht in unser Gesellschaftsbild passt.

Oder doch? Verstörend, schockierend, gewagt, genial. Die Reaktionen liegen im Auge des Betrachters, unabhängig davon wird ein jeder aus seiner Komfortzone gelockt. Gefolgt von einem Denkanstoß, der möglicherweise schnell im Keim der Verdrängung erstickt. Die wiederum sehr wohl in unsere Gesellschaft passt.

Eine Gesellschaft, gesteuert von Kapitalismus. Zerstört von Gier nach Geld und Macht. Gewalt und Krieg als verheerende Folge und wachsender Teil unseres Lebens. Faktisch und fiktiv. Sowohl im wahren, als auch im virtuellen Leben. Darin Kinder. Unschuldig. Hilflos. Gefangen in der Gräuel eines zum Scheitern verurteilten Systems.

Gottfried Helnweins Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Der Künstler will dem Beachtung schenken, wo andere nicht hinsehen wollen. Mit dem Ziel, zum Umdenken zu bewegen. Bevor alle Werte zerstört sind. Im Zentrum steht das unschuldige Kind. Tituliert mit einem Zitat von Francisco de Goya. Einem Künstler, der vor 200 Jahren schon hinsah.

Mitbringsel

Heute mal wieder etwas Kunst. Frisch von der Straße. Aber nicht aus unserer schönen Wiener Stadt. Diesmal als kleine Mitbringsel. Aus anderen schönen Städten, in denen ich in der letzten Zeit so unterwegs war. Beide Wochenendtrips fanden im März statt. Zunächst stand Turin am Programm, zu Ostern dann Graz.

Turin. Abflug Samstag in der Früh. Viele Jahre wusste ich nicht einmal, dass Samstag auch einen Morgen hat. Aber kein Verschlafen. Mit knapp 300 Stundenkilometer ging es dann im Hochgeschwindigkeitszug von Mailand nach Turin. Reisegrund war ein Fußballspiel. Untypisch dazu das Graffiti Foto. Aber es entstand.

In Graz begegnete mir hingegen ein Strichmännchen. Versteckt hinter dem Kunsthaus, musste ich dieses bizarre Kerlchen fotografisch einfangen. Der Kopf als Körpermitte und Ursprung aller Gliedmaßen. Schüchtern der Blick. Blau der Hintergrund und etwas eingezwängt die Körperhaltung. Absolut sympathisch.