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7. September 2018. Robbert van de Corput wendet sich an die Welt. An seine Fans. Und an all jene, denen er unter dem Synonym Hardwell bekannt ist. Er drückte die Standby-Taste. Das ist die Botschaft, die er verkünden möchte. Keine weiteren Auftritte, Ziele, Interviews, Deadlines. Auf unbestimmte Zeit. Weg von der großen Bühne.

Hardwells Tourplan endete gestern. Bis zu drei Auftritte pro Nacht in drei verschiedenen Ländern. Ein krankes Programm, das er Jahre durchzog. Nebenbei kreierte und produzierte er, „alterte in dreifacher Geschwindigkeit“. Ein mörderisches Tempo. Umschrieben als „eine niemals endende Achterbahnfahrt“. Die nun doch endet. Im Guten.

Derartige Reisen nehmen nicht immer ein gutes Ende. Tim Bergling opferte unlängst sein junges Leben. Ein alarmierendes Beispiel. Hardwell möchte nun jedenfalls Robbert sein. Zeit mit seiner Familie und Freunden verbringen. Aber weiter Musik machen. Um sich auszudrücken. Und um mit uns, seinen Fans, verbunden zu bleiben.

Zurückschrauben. Auch ich versuche das seit einiger Zeit. Die Eliminierung meines Publikationsrhythmus wirkte sich qualitätssteigernd aus. Auf mein Leben und die von mir hier kreierten Inhalte. Denn Druck auf mich selbst ist unnötig. Macht auf Dauer kaputt. Die wahren und schönen Dinge des Leben gehen mehr und mehr verloren.



Wir lernten uns als Jugendliche kennen. Waren im selben Fußballteam. Mannschaftskollegen. Aber schnell stand fest, dass das mehr war. Freundschaft. Aufrichtig und seelisch eng miteinander verbunden.

Wir wurden älter. Gingen eigene Wege. Sahen uns immer seltener. Aber nie litt unsere Freundschaft darunter. Als wäre die Zeit stillgestanden. Längst erwachsene Männer, aber Kindsköpfe wie eh und je.

Plötzlich die Nachricht von deinem kranken Herz. Die schwere Operation. Mein Bangen um dein Leben. Wochenlang. Doch du kamst zurück. Was sonst. Unmöglich der Gedanke, dass du nicht mehr bist.

Und du warst noch stärker. Inzwischen Familienvater. Auch im Sport änderte sich dein Leben, du musstest vieles aufgeben. Juventus rückte ins absolute Zentrum deines Sportler-Daseins.

Jeder braucht dieses eine Hobby. Begeistert verpasstest du kein Spiel. Wusstest alles. Nur eines fehlte dir noch. Endlich ein Spiel vor Ort in Turin miterleben zu können. Im März zogen wir es durch.

Strahlende Augen und ein Lächeln, so oft ich mich auf der Tribüne zu dir umdrehte. Drei Monate später schliefst du einfach ein. Dein Herz konnte nicht mehr. Doch wahre Freundschaft ist unsterblich <3

Ich verspürte Wut und Traurigkeit zur gleichen Zeit. Während eines Abendspaziergangs auf der Kärntner Straße sah ich eine grinsende Frau. Mit ihrem Handy machte sie Fotos eines am Boden liegenden, bettelnden Menschen. Jahre vergingen seitdem. Meine mit diesem Erlebnis in Verbindung stehende Gefühlslage hat sich aber kein bisschen geändert.

Kein Mensch hat sich die Scheiße, in der er sich befindet, ausgesucht. Jeder Mensch verdient sich Respekt. Eine würdevolle Behandlung. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Unter dem Ehrenschutz unseres Bundespräsidenten Dr. Alexander Van der Bellen findet von 2. bis 5. Mai 2018 die Wiener Woche der Würde statt. Am Programm stehen Vorträge und Diskussionen: Würde und Frauen, Würde und Wirtschaft, Würde und Management, Würde und Armut, Würde und Flucht, Würde und Medien und Würde und Menschlichkeit. Weekofdignity.org.

Monate sind vergangen seit ich auch mein letztes Konto in den sozialen Medien gekillt habe. Entzugserscheinungen? Fehlanzeige! Nebenwirkungen? Geringfügiges und zu verkraftendes Informationsdefizit. Speziell bei Instagram bin ich froh, dass ich absolut nichts mehr mit dieser gefaketen Scheinwelt zu tun habe.

Ein Netzwerk unter der Macht sogenannter Beeinflusser, die im wahren Leben auf den Strich gehen. Werbestrich. Ihre Meinung verkaufen. Sich selbst verkaufen. Und sich von ahnungslosen Hypekids obendrein noch Like für Like in den Allerwertesten schieben lassen. Geld in den Mund, Likes in den Arsch. Was für ein Kreislauf.

Das Berliner Label Muschi Kreuzberg spricht mir mit seinen neuen Alphapieces direkt aus meiner angekotzten Seele. T-Shirts und Hoodies als dissende Antwort auf diese gesellschaftliche Mutation. Defluencer. Instagram Fakers. Unfollow for Unfollow. Anti Social Network Club. Teils schon erhältlich, großteils noch vorbestellbar. Und wie für mich gemacht.

(pics: muschikreuzberg-shop.de)

Hinter jedem Blog steht ein Blogger. Zumindest. Oder maximal. Wie hier. Ich rede von mir. Dem Anti-Blogger. Gegenstromschwimmer. Ich will anders sein. Bin anders. Grenze mich vom Mainstream des Blog-Universums ab. Optisch. Charakterlich. Und grundsätzlich.

Ich blogge undercover. Bin ein Phantom. Kein Poser. Gesichtlos. Meine Fratze gebe ich nicht preis. Nur in Form von schwarzen Pixeln. Kunst. Mich charakterisierend. Selbstdarstellend. Zurückhaltend. Auf einen Blick. Und Klick. Links. Auf ich. Oder diesen Text hier nachfolgend.

Inklusive meines bisherigen Werkes. Denn kürzlich folgte das Update. Des Bildes und meiner Beschreibung. Statt Sonnenbrillen trage ich nun Jersey. Meine Jeans ohne Swag. Und der Tumbler wurde mit der Urform des Batmobils ersetzt. Old School lautet das Stichwort.