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Die Nacht im fortgeschrittenen Zustand. Schwarz der Himmel über Wien, schlafend die Masse an Menschen. Ich schlafe nicht. Das Fenster offen. Straßenseitig dringen gedämpfte Lichtwellen in mein dunkles Wohnzimmer. Und Schallwellen dringen hinaus. Im Viervierteltakt.

Monoton schwingen sie. Kurbeln meinen Schreibfluss an. Die Müdigkeit wie weggezaubert. Es ist dieser Bass. Er trägt mich durch die Arbeit der Nacht. Macht mich stark, kreativ. Hält mich wach. Techno als persönliche Audio-Droge, die diesen Nachtflug ermöglicht.

Es ist die Spannung. In mir. Aufregung, Euphorie, Nervosität. Positive Nervosität. Ein geheimnisvolles Gefühl, das wie Geborgenheit wirkt. Innig. Zugleich der betörende Beigeschmack eines Verbotes. Der nächtliche Schallwellenritt setzt ihn frei. Diesen künstlerischen Geist in mir.

Ton für Ton, Taste für Taste, Wort für Wort. Die elektronischen Vibes als Schaltzentrale meines Körpers. Die Finger ferngesteuert. Tanzend kreierend auf der Bühne der Tastatur. Bis zum Ausklang des magischen Wellenbades. Nach Vollendung dieses nächtlichen Textwerkes.

Das Gift loswerden. Die Fehler und Schuld nicht mehr bei anderen suchen. All die Bosheit, Eifersucht, den Streit, die Verwirrung vertreiben. Vergeben. Ein neuer Geist. Eine neue Sichtweise. Eine neue Perspektive. Keine Verschwendung mehr. Kämpfe dafür, woran du glaubst. Lebe für diesen Moment. Lebe für dieses Gefühl. Es ist dein Leben. Fahre es, als hättest du es gestohlen.

Human. Steve Angellos zweites Soloalbum. Menschliche Inhalte unter Decknamen der Allmächtigkeit. Lord, God, Eros. Nach Wild Youth lagen die Erwartungen hoch. Steve übertraf sie. 21 Tracks, 21 abstrakte Kunstwerke, ein dunkles Ganzes. Es ist schwarz. Schwarze Magie. Die Schöpfung eines Magiers, der auch nur Mensch ist und sich mit seinem Style weiter distanziert. Richtung Underground.

Tief, mystisch, hochdramatisch. Der unverkennbare Sound Steve Angellos. Eindeutiger denn je. Ein Wagnis voller Bässe, geprägt von Experimenten. Experimente wie Rejoice oder 21:. Gelungene Experimente. Ein Album gegen den Mainstream im progressiven House. Ein gesegnetes Werk. Als Abrechnung mit der Vergangenheit. Für einen neuen freien Weg. Göttlich. Stylisch. Menschlich.



Schwedische Stunde

Meine Laune ist mies. Am Tiefpunkt. Hat nichts mit dem heutigen Montag zu tun. Vielmehr mit dem gestrigen Tag. Einer der beschissensten Sonntage meines Lebens. Dabei war es ein besonderer Sonntag.

Für das Electronic Dance Music Universum bedeutete dieser 25. März 2018 den 20. Geburtstag des Ultra Music Festivals. Aber viel wichtiger: Eben auch die Reunion der Swedish House Mafia.

Wenn auch nur für eine Stunde oder einen gemeinsamen Set. Ich möchte gar nicht wissen, was sich der Veranstalter dieses Jahrhundertspektakel kosten lassen musste. Vor allem, um Steve auf die Bühne zu bekommen.

Verschwörungstheoretikern ging jedenfalls einer ab, denn Hinweise im Vorhinein gab es massenweise. Ebenso war Ultra in aller Munde und den drei Schweden hat es mit Sicherheit auch nicht geschadet.

Auf der Bühne, wo das Projekt vor ziemlich genau fünf Jahren zu Ende ging, gab es also eine Auferlebungsstunde der Swedish House Mafia. Auferstanden sind sie nicht. Happy Birthday Ultra!

Wir schreiben das Jahr 1999. Oder sogar 1998. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Da tauchte plötzlich dieses gelbe flauschige Ding im Fernsehen auf. Ich weiß auch nicht mehr, wo es mir zuerst unterkam. Ob in den Levi’s TV-Spots oder in den Musikvideos von Mr. Oizo. Dermaßen alt bin ich schon.

Was ich aber definitiv noch weiß: Die Rede ist von Flat Eric, einem Stofftier oder wohl eher einer Stoffpuppe. Denn einer Tiergattung lässt sich Flat schwer zuordnen. Am ehesten noch jener der Bären. Als Bär wäre er jedoch sehr ohrenlos und ziemlich schmächtig auf den Knochen seiner Gliedmaßen.

Jedenfalls war Flat Eric ein extrem cooler Typ, der mit Schrottkarre und Kumpel durch Kalifornien cruisend für die Sta-Prest Kollektion von Levi’s werben durfte, in diversen Musikvideos seines Entdeckers, Produzenten und Filmemachers Mr. Oizo zum Bass abging und obendrein noch Würstel rauchte. Im Chefsessel.

Eigentlich müsste das erste Album von Axwell Ingrosso More Than I Knew heißen. Lange wartete ich drauf. Und dann verpasste ich doch tatsächlich den Release. Exakt zwei Monate später bemerkte ich meine Nachlässigkeit. Per Zufall. More Than You Know existiert offiziell seit 8. Dezember 2017. Informationsdefizit ist wohl der einzige Nachteil meines Social Media Rückzugs.

Axwell und Sebastian Ingrosso. Zwei der drei Götter der House Musik Szene. Steve Angello ist der dritte im Bunde. Er komplettierte einst das Trio der legendären Swedish House Mafia. Und dürfte wohl auch für die Trennung 2013 verantwortlich sein. Aber am Zenith der Unerreichbarkeit aufzuhören schadet nicht. Und es ebnet neue Wege. Wie den von Axwell und Ingrosso.

More Than You Know trägt ihre Handschrift, es ist ein Neuanfang, etwas neues. Ihr Style. 15 Tracks inklusive zweier Bonus Tracks, die Botschaften vermitteln. Und motivieren. Sie sind auf ihrem Weg. Machen uns zu Träumern, bitten uns größer zu träumen. Es ist viel möglich, mehr als wir zu wissen wagen. Die beiden lassen die Sonne scheinen. Und dieses Mal können sie nicht nach Hause gehen.