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Warum Camouflage? Ständige Konfrontation mit dieser Fragestellung für mich. Möglicherweise liegt der Grund in der Natur des Menschen. Evolutionär betrachtet. Oder in meiner Natur. Schließlich wuchs ich am Land und somit ziemlich naturverbunden auf. Heute wirken diese Farbtöne magisch auf mich. Fast beruhigend. Und eine sehr schöne Betrachtungsweise in meiner Ursachenforschung.

Auf die Antwort werde ich wohl nie stoßen, so wie ich diese Vorliebe wohl auch nie ablegen werde. Kein Nachteil, liegt meine Bezugsquelle getarnter Kleidungsstücke doch in diversen Army-Shops. Eine nahezu unzerstörbare Qualität, preistechnisch an keinem anderen Ort schlagbar. In diesem Areal bietet sich nun auch der Schluss auf eine militante Ursache und Einstellung meinerseits. Zutreffend wäre er aber nicht.

Wehren würde ich mich dagegen. So wie gegen tarngemustertes Schuhwerk. Die Gründe ebenso rätselhaft wie unerklärlich und unerforschlich. Um dennoch zu harmonisieren, greife ich für meine unterste Körperstelle auf Elemente einzelner Naturfarben zurück. Und zwar auf jene des Kaffees. Für viele ein ungeliebtes Stiefkind der Dreierreihe, für mich hingegen ein wichtiges Instrument der Individualisierung gegen die Kinder des Hypes.

Es war einmal ein besonderer Ort im Herzen Wiens. Ein prunkvoll gestaltetes Kellerareal, dessen gegenwärtiger Zweck im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Lokalität ziemlich befremdet wirkt. Ein Schuhgeschäft. Im edlen Mantel eines nächtlichen Vergnügungsortes. Ob blinkendes Bunt-, oder simples Rotlicht, sei dahingestellt.

Fakt ist, dieser Ort verbirgt besohlte Schätze in einer unvorstellbaren Variation. Zum Teil längst totgeglaubte Stücke. Dreien konnte ich auf Anhieb nicht widerstehen. Seitdem zieren sie meine Füße und ziehen straßenseitig bewundernde Blicke auf sich. Mich. Und beweisen Schritt für Schritt, dass wahre Coolness viel besser hypelos funktioniert.

Es bedarf keiner limitierten Edition und schon gar keinem Modell aus dem Standard-Repertoire eines Mainstream-Roboters. Es reichen Individualität und Kreativität. Mit einer kleinen Portion Egoismus. Denn mit großer Sorgfalt bewahre ich meine Individualität und beende eine Schuhgeschichte, die wie ein Schuhmärchen klingen mag.

Michael Jordan gilt mindestens als einer der besten Basketballspieler aller Zeiten. Seine eindrucksvolle NBA-Karriere begann im Jahr 1984. Von da an bekam er eigens für ihn designtes Schuhwerk. Direkt vom Hersteller. Die legendären Air Jordans. Zeitlos. Brandheiß. Und meine größte Schwachstelle.

Platz drei meiner ewigen Bestenliste geht an den Air Jordan 4 Bred. Letzteres bezieht sich auf die Farbgebung und steht für black und red. Der Schuh stammt aus 1989, das Design von Tinker Hatfield. Neben der Silhouette des Vierers begeistert mich speziell am Bred das Obermaterial aus feinem Nubuk.

Silber verdient sich der Air Jordan 1 Royal. 1984 geboren. Wie ich. Ein Altersgenosse. Womöglich erklärt diese Verbindung meine Verbundenheit zu Einser-Jordans. Unzählige Colorways tummeln sich in meinem Regal. Die schwarz-königsblaue Variante sticht dennoch heraus. Königlich schönes Design von Peter Moore.

Am Thron verweilt aber der Air Jordan 3 Black Cement. Tinker Hatfields erstes Baby, das 1988 das Licht der Welt erblickte. Dreier stellen für mich das Air-Jordan-Sinnbild schlechthin dar. Und als schwarz-zementgraue Variante nicht nur unschlagbar, sondern auch unwiderstehlich. Der schönste Jordan aller Zeiten.

Heute ein weiteres Modell meiner nicht mehr ganz so bescheidenen Turnschuhkollektion. Vermeintlich habt ihr schon die Schnauze voll von meinem pausenlosen Einser-Jordan-Gequatsche, aber ich kenne kein Erbarmen. Und unter uns gesprochen: Nur die Harten kommen in den Garten.

Also, ein weiterer Einser, diesmal der Shadow. Zu Deutsch: Schatten. Wie üblich kommt die Namensgebung von der Farbgebung. Grau und schwarz, ziemlich dunkel. Schatten sind bekanntlich dunkel. Und unscheinbar. Somit perfekt kombinierbar zu nahezu jedem Outfit. Modische Wunderwaffe.

Womöglich der Grund, dass dieser Einser die meisten Kilometer auf der Sohle hat. In keinem anderen verbrachte ich mehr Stunden. Heißt aber auch, dass sie den meisten Fußschweiß aufgesaugt haben. Dementsprechend hinuntergekommen ihr Zustand. Optisch und geruchstechnisch.

Zum Glück wurde er heuer in einer Neuauflage releast und zum doppelten Glück konnte ich ein neues Paar in meiner Größe ergattern. Die nächsten Jahre sind somit gesichert. Diesmal online und direkt beim Hersteller, damals in einem Basketballschuhgeschäft in der Neubagasse. 2013 war das.

Zweilfelsohne spielte sich in meinem Leben ein Schuhmodell in den Vordergrund, das fast schon zum Inventar meiner Füße gehört. So wie die Hühneraugen an den kleinen Zehen links und rechts. Keine Angst. Fußgewächstechnisch werde ich nicht detaillierter. Zurück in die Spur: Wer mich kennt, kennt sie. Meine Einser-Jordans.

Wie viele Paar ich davon besitze, ist uninteressant. Vielmehr begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise und drehen die Uhr um elf Jahre zurück. Wir befinden uns nun im wunderschönen Nürnberg und schreiben das Jahr 2007. Nie an euren Rechenkünsten zweifelnd entführe ich euch in einen Streetwear-Shop im mittelalterlichen Stadtkern.

Ihr werdet nun Zeugen eines für euch bedeutungslosen, für mich aber historischen Ereignisses: Im Abverkauf lege ich mir mein allererstes Paar Einser-Jordans zu. Der Beginn einer großen Liebe. Damals bildete ich mir übrigens ein, Jordans in Größe 11,5 statt 12 zu benötigen. Die Konsequenz: Einlagesohle musste irgendwann raus, Zehenfehlstellung blieb.