Wir lernten uns als Jugendliche kennen. Waren im selben Fußballteam. Mannschaftskollegen. Aber schnell stand fest, dass das mehr war. Freundschaft. Aufrichtig und seelisch eng miteinander verbunden.

Wir wurden älter. Gingen eigene Wege. Sahen uns immer seltener. Aber nie litt unsere Freundschaft darunter. Als wäre die Zeit stillgestanden. Längst erwachsene Männer, aber Kindsköpfe wie eh und je.

Plötzlich die Nachricht von deinem kranken Herz. Die schwere Operation. Mein Bangen um dein Leben. Wochenlang. Doch du kamst zurück. Was sonst. Unmöglich der Gedanke, dass du nicht mehr bist.

Und du warst noch stärker. Inzwischen Familienvater. Auch im Sport änderte sich dein Leben, du musstest vieles aufgeben. Juventus rückte ins absolute Zentrum deines Sportler-Daseins.

Jeder braucht dieses eine Hobby. Begeistert verpasstest du kein Spiel. Wusstest alles. Nur eines fehlte dir noch. Endlich ein Spiel vor Ort in Turin miterleben zu können. Im März zogen wir es durch.

Strahlende Augen und ein Lächeln, so oft ich mich auf der Tribüne zu dir umdrehte. Drei Monate später schliefst du einfach ein. Dein Herz konnte nicht mehr. Doch wahre Freundschaft ist unsterblich <3

Vorgestern an der Wiener Ringstraße entlang des Donaukanals. In der dämmernden Schwüle eines frühsommerlichen Abends. Und im Visier einer Schützin. Eines kleinen Mädchens. Mit einem Maschinengewehr. An der Front des seitlich in Flammen stehenden Ringturms. Ein Anblick, der so gar nicht in unser Gesellschaftsbild passt.

Oder doch? Verstörend, schockierend, gewagt, genial. Die Reaktionen liegen im Auge des Betrachters, unabhängig davon wird ein jeder aus seiner Komfortzone gelockt. Gefolgt von einem Denkanstoß, der möglicherweise schnell im Keim der Verdrängung erstickt. Die wiederum sehr wohl in unsere Gesellschaft passt.

Eine Gesellschaft, gesteuert von Kapitalismus. Zerstört von Gier nach Geld und Macht. Gewalt und Krieg als verheerende Folge und wachsender Teil unseres Lebens. Faktisch und fiktiv. Sowohl im wahren, als auch im virtuellen Leben. Darin Kinder. Unschuldig. Hilflos. Gefangen in der Gräuel eines zum Scheitern verurteilten Systems.

Gottfried Helnweins Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Der Künstler will dem Beachtung schenken, wo andere nicht hinsehen wollen. Mit dem Ziel, zum Umdenken zu bewegen. Bevor alle Werte zerstört sind. Im Zentrum steht das unschuldige Kind. Tituliert mit einem Zitat von Francisco de Goya. Einem Künstler, der vor 200 Jahren schon hinsah.

Stadtexporte beziehungsweise Dorfimporte hatten eine immense Bedeutungshöhe während meiner Jugend. Sicherten sie mir doch die Möglichkeit, mich nicht nur styletechnisch ausleben, sondern mich vielmehr in eine individuelle Richtung und weg von meiner Mitschülerschaft entwickeln zu können.

Was zunächst Zugreisen nach Graz waren, entwickelte sich bald zu Busreisen nach Wien. Graz ist eben doch nur ein großes Dorf, Internet war damals noch nicht Internet und um an richtig cooles Zeug zu kommen, musste die Reise in die Großstadt gewagt werden. Nicht ohne für einen minderjährigen Südburgenländer.

17 Jahre alt war ich bei meinem ersten Reiseantritt. Genau die Hälfte meines aktuellen Alters. Die Zeit vergeht. Erinnerungen bleiben hingegen. Mit dabei meine Schwester und eine gemeinsame Freundin. Nebenbei verspürte ich ein gewisses Freiheitsgefühl. Weit weg von den Eltern und der Provinz.

Und mitten im Schuhparadies. Zu Zeiten, wo Sneaker nicht zur Grundausstattung eines jeden gehörten und nicht ein Release Datum das nächste jagte. Ein Überraschungseffekt, der mir Converse Weapon bescherte. Meine ersten Retro Basketballschuhe. Und richtig fette Dinger. Mittlerweile leider rausgewachsen.

„Wien ist eine Stadt der kulturellen Offenheit, der gelebten Toleranz und des humanitären Engagements. Wir bekennen uns zur kulturellen Vielfalt, zur kulturellen Aufgeschlossenheit, zum Ermöglichen und zum Zulassen. Die Stadt Wien unterstützt die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen.“ Ein Zitat des großen Ex-Bürgermeisters Michael Häupl. Im Rahmen des Projektes Wienerwand. Eine Initiative zur Schaffung legaler Graffitiflächen.

Über 20 zugelassene Freiluftgalerien zählt die Stadt mittlerweile. Am berühmtesten zweifelsohne jene entlang des Donaukanals im Stadtkern. Angeblich auch die längste zusammenhängende Graffitiwand Europas. Ich staune. Wie auch über das ekelhafte Wasser, den nicht vorhandenen Schutz am Ufer und die geringe Menge an unfreiwilligen Badegästen. Speziell in Hinblick auf die durchaus hohe Promilleanzahl in der warmen Jahreszeit.

Die auf mich wirkende Anziehungskraft der bunten Wände kann somit auch auf sicherheitstechnische Gründe zurückgeführt werden. Dennoch überwiegt der kulturelle Aspekt der auch dort nicht überall legalen, aber tolerierten Sprühkunst, dessen Veränderung durch die begrenzte Lebenszeit stets überspraybarer Werke mich in regelmäßigen Abständen zu Entdeckungsreisen einlädt. In die sich revitalisierende Revitalisierung einer einstigen Grauzone.

Dass Turnschuhe etwas Besonderes, wenn nicht sogar etwas Magisches an sich haben, davon war und bin ich seit jeher überzeugt. Dass ich mich in diesem Irrglauben nun auch tatsächlich bestätigt fühlen darf, das verdanke ich der lieben Sonja.

Besser gesagt ihrem Schuhwerk, dem schwarzen Air Max 97. Erblickt in einem Berliner Store, aufmerksam beobachtet durch ihren Schnucki und resultierend in einem überraschenden Wiedersehen unter dem Weihnachtsbaum. Mir entgeht eben nichts.

Als die neuen Lieblingstreter dann auch noch die starken Fußschmerzen wie von Geisterhand verschwinden ließen, war die Unzertrennlichkeit schließlich besiegelt. Und mein anfangs angedeuteter Irrglaube. Heilende Kräfte also.

Ob nun auf eine Risikoverringerung des wiederkehrenden Schmerzes oder auf das wahnsinnig schöne Tragegefühl zurückzuführen, Fakt ist, die luftgepolsterten Sneakers dürfen zu jedem Anlass mit. Und zu jedem Outfit. Zu jeder Jahreszeit. Ungebunden.

Am liebsten aber beim Erhöhen des Kilometerstands im Rahmen eines ausgiebigen Spaziergangs in trauter Zweisamkeit. Auf den Freund bezogen. Oder Schuhe miteinbezogen: In trauter Viersamkeit. Wie auch immer. Sonjas coolster Sportschuh ever.