Shoestories kennt ihr nun. Lange schwirrte die Idee in meinem Kopf herum. Über ein Jahr. Dann besorgte ich mir endlich eine professionelle Fotobox für Produktfotografie. Leider nur die halbe Miete. Denn für eine brauchbare Umsetzung kam ich nicht mehr drum rum, mich mal detailliert mit meiner Kamera und den unendlichen Weiten der Fotografie zu beschäftigen.

Die investierten Stunden kosteten mir hochheiligen Schlaf. Aufsummiert sprechen wir von fast drei investierten Nächten bis ich vom Laienstatus befreit war. Multipliziert man diese drei Nächte mit dem mich begleitenden Verzweiflungsfaktor, sind wir bei einem Jahr meines Lebens angekommen, um das ich während dieser Prozedur letztendlich altern musste.

Mit den Ergebnissen kann ich leben. Ihr hoffentlich auch. Schließlich wurdet ihr schon mehrfach mit meinen Schuhbildkreationen zwangsbeglückt. So wie Batman von Joker. Oder Joker von Batman. Hier. In meiner von Chaos bis Kunst reichenden Welt. Künstlerisches Chaos oder chaotische Kunst. Als Vorgeschmack und Hinweis auf mehr. Mehr als nur Schuhe.

Flo ist Wahl-Grazer. Alterstechnisch kann er sich langsam aber sicher auf das Ende seiner glorreichen Zwanzigerdekade vorbereiten. Beruflich lässt er sein Fachwissen in wichtige IT-Projekte eines Logistikdienstleisters einfließen. Und privat rockt er gerne seinen Air Jordan 4 Thunder.

Am liebsten tut er das im Nachtleben des Wochenendes. So entwickelte sich sein schwarzgelbes Schuhwerk zum Denkmal an eine Serie legendärer Partynächte mit seinem besten Freund. Ein Schuh, an dem jedoch nicht nur Erinnerungen und Spaß hängen. Sondern auch eine gewisse Hingabe.

Denn es war Liebe auf den ersten Blick. Gesehen am Fuß seiner Style Ikone, einem DJ und Part eines epischen Trios. Nicht zuletzt ließ er sich diese musikalische Leidenschaft unter die Haut seines Rückens stechen. Aus Liebe zu Style und Musik entstand also auch die Liebe zu diesem Schuh.

Eine außergewöhnliche Liebe. Denn „interessant ist, was rar ist“ und getreu diesem Leitspruch würde Flo seine Thunder niemals im Alltag tragen. Der Anlass muss ein besonderer sein. Oder die Stimmung. Und schon ist das seltene, markante und farblich elegante Donnerwetter perfekt.

Schwedische Stunde

Meine Laune ist mies. Am Tiefpunkt. Hat nichts mit dem heutigen Montag zu tun. Vielmehr mit dem gestrigen Tag. Einer der beschissensten Sonntage meines Lebens. Dabei war es ein besonderer Sonntag.

Für das Electronic Dance Music Universum bedeutete dieser 25. März 2018 den 20. Geburtstag des Ultra Music Festivals. Aber viel wichtiger: Eben auch die Reunion der Swedish House Mafia.

Wenn auch nur für eine Stunde oder einen gemeinsamen Set. Ich möchte gar nicht wissen, was sich der Veranstalter dieses Jahrhundertspektakel kosten lassen musste. Vor allem, um Steve auf die Bühne zu bekommen.

Verschwörungstheoretikern ging jedenfalls einer ab, denn Hinweise im Vorhinein gab es massenweise. Ebenso war Ultra in aller Munde und den drei Schweden hat es mit Sicherheit auch nicht geschadet.

Auf der Bühne, wo das Projekt vor ziemlich genau fünf Jahren zu Ende ging, gab es also eine Auferlebungsstunde der Swedish House Mafia. Auferstanden sind sie nicht. Happy Birthday Ultra!

Jay. Ein sportlicher Typ, der aufgrund der Vielzahl seiner Hobbys so gut wie nie zur Ruhe kommt. Ständig auf den Beinen ist. Und die Ehre hat, eines seiner Schuhwerke als Hauptdarsteller des ersten externen Kapitels meiner Schuhgeschichten präsentieren zu dürfen.

Jay bevorzugt die praktische Variante: Bequemlichkeit steht ganz oben, für nahezu jeden Anlass müssen sie geeignet sein und der Pflegeaufwand sollte sich in Grenzen halten. Jordan Eclipse nennt sich diese besohlte Allzweckwaffe, die er immer wieder kaufen würde.

Auf Worte folgten Taten. Jay besitzt bereits zwei Paare des Eclipse. Die schwarze Version mit weißer Sohle wurde bequem im Onlineshop von Nike erstanden. Natürlich. Denn ein wahrer Befürworter des Komforts steht in jeder Lebenslage zu seinen Prinzipien.

Das gemütliche Allroundtalent begleitet Jay nicht nur in der Freizeit während und auf dem Weg zur Ausübung seiner sportlichen Lieblingsbeschäftigungen. Auch in der Arbeit unterstützt es tatkräftig mit der Entlastung seiner Beine. Eine Gemeinschaft fürs Leben.

Wenn das samstägliche Wetter wieder abstürzt, ist man(n) gut beraten, sich ins Museum zu begeben. Noch besser beraten ist er, Frauchen dabei an der Hand zu packen und das gemeinsam zu tun. Gemeinsam zu träumen. Heiße Träume. Absturzträume! Aktuell tief unten im zweiten Untergeschoss des Leopold Museums.

Die Ausstellung verbirgt Tabubrüche dreier Generationen. Eindrucksvoll inszeniert von Egon Schiele, Günter Brus und Thomas Palme, altersgereiht. Letztere leben noch. Speziell aber Ersterer war seiner Zeit gewaltig voraus. Eine Art Vordenker, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit der sexuellen Auslegung seiner Kunst provozierte.

„Keimendes Leben morden“ bezeichnete Schiele einst das Hemmen eines Künstlers und setzte es einem Verbrechen gleich. Was viele mit der obszönen Inszenierung seiner Werke taten. Ein Besessener. Der es nie scheute, gegen Sitte und Moral zu verstoßen. Nicht weniger besessen: Brus und Palme. Würdige Nachfolger. Ich bin begeistert.

Heute schlagen wir das nächste Kapitel meiner shoestories auf. Diesmal ohne Sneakers. Gegen den bisherigen Trend also und so außergewöhnlich, dass ich auf Badeschlapfen zurückgreife. Liebevoll nenne ich sie Camoletten. Ein Wortspiel. Zusammengesetzt aus Camouflage und Adilette.

Wie es dazu kam? Unschwer zu erkennen. Erstrahlen meine Lieblings- und einzigen Schlapfen doch im Glanz einer wunderschönen Wüstentarnung. Meiner Lieblingstarnung. Passend zum Design und Hintergrund meines Blogs hatte ich keine Wahl. Ich musste sie mir kaufen. 2013 war das.

Seitdem gingen wir durch fünf gemeinsame Sommer. Sommer voller Sonne, Urlaube am Meer, Freibadbesuche und Partys am Strand. Letzteres ging nicht spurlos an ihnen vorüber. In Kroatien wurde mit Farbe gesprüht. Ebenfalls 2013. Seitdem tragen sie rosarote Sohlen. Unauswaschbar.

Meine Camoletten genießen sogar Ausnahmestatus. Nur in ihrer Form ertrage ich die drei Streifen an meinen Füßen. Diese Abneigung scheint ebenfalls ein Grund für deren liebevolle Umbenennung gewesen zu sein. Trotz Antipathie erkenne ich auch an. Denn bequem sind sie ja. Und wie.

Wir schreiben das Jahr 1999. Oder sogar 1998. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Da tauchte plötzlich dieses gelbe flauschige Ding im Fernsehen auf. Ich weiß auch nicht mehr, wo es mir zuerst unterkam. Ob in den Levi’s TV-Spots oder in den Musikvideos von Mr. Oizo. Dermaßen alt bin ich schon.

Was ich aber definitiv noch weiß: Die Rede ist von Flat Eric, einem Stofftier oder wohl eher einer Stoffpuppe. Denn einer Tiergattung lässt sich Flat schwer zuordnen. Am ehesten noch jener der Bären. Als Bär wäre er jedoch sehr ohrenlos und ziemlich schmächtig auf den Knochen seiner Gliedmaßen.

Jedenfalls war Flat Eric ein extrem cooler Typ, der mit Schrottkarre und Kumpel durch Kalifornien cruisend für die Sta-Prest Kollektion von Levi’s werben durfte, in diversen Musikvideos seines Entdeckers, Produzenten und Filmemachers Mr. Oizo zum Bass abging und obendrein noch Würstel rauchte. Im Chefsessel.

Der Air Jordan 1 OG black royal von Nike. Ein weiteres Stück Geschichte aus meinem Schuhschrank. Stark verbunden mit meinem Blog. Stärker als ihr denkt. War es doch genau dieser Schuh, dessen Erwerb im Frühjahr 2013 Anlass für meinen allerersten Beitrag war.

Fünf Jahre und 535 Beiträge später trage ich ihn immer noch gerne und regelmäßig. Einser Jordans besitze ich so einige, der schwarzkönigsblauen Farbkombination kann keiner die Hände reichen. Für mich sind die Royals der schönste Air Jordan 1 aller Zeiten.

Auf das Kauferlebnis ging ich mit Beitrag Nummer eins ein. Ausführlich. Diesmal gehe ich auf das prägendste gemeinsame Erlebnis ein. Den Dreh eines Werbespots. Ich als Hauptdarsteller und meine Royals mit von der Partie.

Voller Freude musste ich mehrmals auf meinen Knien rutschen. Am Boden. Die für die Kamera gekünstelte Freude verging schnell, da meine Knie anschwollen, vor allem aber meine geliebten Treter zerkratzt wurden. Die Wunden sind nie verheilt. Auf den Schuhen.

Levi’s x MLB

Baseball ist eine Sportart, bei der ich eher mit dem Merch der Teams was anfangen kann, als mit dem Spiel selbst. Partien können mitunter einige Stunden dauern, was für mich bloß pure Langeweile bedeutet. Das liegt aber womöglich definitiv daran, dass ich null Plan vom Regelwerk habe.

Aber zurück zum Merchandising. Zur Feier des Ende März bevorstehenden Start der neuen Major League Baseball Saison gab es einen Paarungsakt der besonderen und eher ungewöhnlichen Art und Weise. Zwölf Teams der MLB wurden mit ikonischen Kleidungsstücken der Marke Levi’s gekreuzt.

Die Los Angeles Dodgers, San Francisco Giants, New York Yankees, Chicago Cubs, St. Louis Cardinals, New York Mets, Toronto Blue Jays, Detroit Tigers, Oakland Athletics, Boston Red Sox, Kansas City Royals und Seattle Mariners mit dem Crew Sweatshirt, dem Club Coat und der Denim Trucker Jacket. Gute Arbeit.

Nicht nur die Ära meiner Schuhgeschichten startet mit diesem Beitrag, auch die Ära der Nike Retro Basketballschuhe an meinen Füßen wurde mit dem Inhalt dieses Beitrags eingeläutet. Mit dem rotweißen Nike Dunk.

Es war 2002. Mein erster Trip als Führerscheinneuling Richtung Hauptstadt. Etwas Nervosität im Gepäck, Schwester im Gepäck und auf der Heimfahrt eben auch den Nike Dunk im Gepäck. Frisch vom Ausverkauf.

Von da an waren wir unzertrennlich. Ich trug meine Babys in Rot und Weiß bei nahezu jeder Gelegenheit. In der Schule. Beim Rumhängen. Beim Sport. Beim Feiern. Und kehrte mit ihnen zurück nach Wien. Zum Studieren.

Dazwischen gab es Stress. Für Mama. Sie wagte es doch tatsächlich, meine mittlerweile abgefuckten Dunks zu waschen. Ich wusste mir zu helfen. Mit schwarzer Schuhcreme. Im Nu waren sie wieder cool.

Komplett zerstört und gelbsohlig dekorieren sie heute meine Wohnung. Einer steht im Schlafzimmerregal, einer im Wohnzimmer. Trotz durchgewetzter Sohle werden sie mich so noch mein Leben lang begleiten können.