Flo ist Wahl-Grazer. Alterstechnisch kann er sich langsam aber sicher auf das Ende seiner glorreichen Zwanzigerdekade vorbereiten. Beruflich lässt er sein Fachwissen in wichtige IT-Projekte eines Logistikdienstleisters einfließen. Und privat rockt er gerne seinen Air Jordan 4 Thunder.

Am liebsten tut er das im Nachtleben des Wochenendes. So entwickelte sich sein schwarzgelbes Schuhwerk zum Denkmal an eine Serie legendärer Partynächte mit seinem besten Freund. Ein Schuh, an dem jedoch nicht nur Erinnerungen und Spaß hängen. Sondern auch eine gewisse Hingabe.

Denn es war Liebe auf den ersten Blick. Gesehen am Fuß seiner Style Ikone, einem DJ und Part eines epischen Trios. Nicht zuletzt ließ er sich diese musikalische Leidenschaft unter die Haut seines Rückens stechen. Aus Liebe zu Style und Musik entstand also auch die Liebe zu diesem Schuh.

Eine außergewöhnliche Liebe. Denn „interessant ist, was rar ist“ und getreu diesem Leitspruch würde Flo seine Thunder niemals im Alltag tragen. Der Anlass muss ein besonderer sein. Oder die Stimmung. Und schon ist das seltene, markante und farblich elegante Donnerwetter perfekt.

Meine Laune ist mies. Am Tiefpunkt. Hat nichts mit dem heutigen Montag zu tun. Vielmehr mit dem gestrigen Tag. Einer der beschissensten Sonntage meines Lebens. Dabei war es ein besonderer Sonntag.

Für das Electronic Dance Music Universum bedeutete dieser 25. März 2018 den 20. Geburtstag des Ultra Music Festivals. Aber viel wichtiger: Eben auch die Reunion der Swedish House Mafia.

Wenn auch nur für eine Stunde oder einen gemeinsamen Set. Ich möchte gar nicht wissen, was sich der Veranstalter dieses Jahrhundertspektakel kosten lassen musste. Vor allem, um Steve auf die Bühne zu bekommen.

Verschwörungstheoretikern ging jedenfalls einer ab, denn Hinweise im Vorhinein gab es massenweise. Ebenso war Ultra in aller Munde und den drei Schweden hat es mit Sicherheit auch nicht geschadet.

Auf der Bühne, wo das Projekt vor ziemlich genau fünf Jahren zu Ende ging, gab es also eine Auferlebungsstunde der Swedish House Mafia. Auferstanden sind sie nicht. Happy Birthday Ultra!





Jay. Ein sportlicher Typ, der aufgrund der Vielzahl seiner Hobbys so gut wie nie zur Ruhe kommt. Ständig auf den Beinen ist. Und die Ehre hat, eines seiner Schuhwerke als Hauptdarsteller des ersten externen Kapitels meiner Schuhgeschichten präsentieren zu dürfen.

Jay bevorzugt die praktische Variante: Bequemlichkeit steht ganz oben, für nahezu jeden Anlass müssen sie geeignet sein und der Pflegeaufwand sollte sich in Grenzen halten. Jordan Eclipse nennt sich diese besohlte Allzweckwaffe, die er immer wieder kaufen würde.

Auf Worte folgten Taten. Jay besitzt bereits zwei Paare des Eclipse. Die schwarze Version mit weißer Sohle wurde bequem im Onlineshop von Nike erstanden. Natürlich. Denn ein wahrer Befürworter des Komforts steht in jeder Lebenslage zu seinen Prinzipien.

Das gemütliche Allroundtalent begleitet Jay nicht nur in der Freizeit während und auf dem Weg zur Ausübung seiner sportlichen Lieblingsbeschäftigungen. Auch in der Arbeit unterstützt es tatkräftig mit der Entlastung seiner Beine. Eine Gemeinschaft fürs Leben.

Wenn das samstägliche Wetter wieder abstürzt, ist man(n) gut beraten, sich ins Museum zu begeben. Noch besser beraten ist er, Frauchen dabei an der Hand zu packen und das gemeinsam zu tun. Gemeinsam zu träumen. Heiße Träume. Absturzträume! Aktuell tief unten im zweiten Untergeschoss des Leopold Museums.

Die Ausstellung verbirgt Tabubrüche dreier Generationen. Eindrucksvoll inszeniert von Egon Schiele, Günter Brus und Thomas Palme, altersgereiht. Letztere leben noch. Speziell aber Ersterer war seiner Zeit gewaltig voraus. Eine Art Vordenker, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit der sexuellen Auslegung seiner Kunst provozierte.

„Keimendes Leben morden“ bezeichnete Schiele einst das Hemmen eines Künstlers und setzte es einem Verbrechen gleich. Was viele mit der obszönen Inszenierung seiner Werke taten. Ein Besessener. Der es nie scheute, gegen Sitte und Moral zu verstoßen. Nicht weniger besessen: Brus und Palme. Würdige Nachfolger. Ich bin begeistert.

Heute schlagen wir das nächste Kapitel meiner shoestories auf. Diesmal ohne Sneakers. Gegen den bisherigen Trend also und so außergewöhnlich, dass ich auf Badeschlapfen zurückgreife. Liebevoll nenne ich sie Camoletten. Ein Wortspiel. Zusammengesetzt aus Camouflage und Adilette.

Wie es dazu kam? Unschwer zu erkennen. Erstrahlen meine Lieblings- und einzigen Schlapfen doch im Glanz einer wunderschönen Wüstentarnung. Meiner Lieblingstarnung. Passend zum Design und Hintergrund meines Blogs hatte ich keine Wahl. Ich musste sie mir kaufen. 2013 war das.

Seitdem gingen wir durch fünf gemeinsame Sommer. Sommer voller Sonne, Urlaube am Meer, Freibadbesuche und Partys am Strand. Letzteres ging nicht spurlos an ihnen vorüber. In Kroatien wurde mit Farbe gesprüht. Ebenfalls 2013. Seitdem tragen sie rosarote Sohlen. Unauswaschbar.

Meine Camoletten genießen sogar Ausnahmestatus. Nur in ihrer Form ertrage ich die drei Streifen an meinen Füßen. Diese Abneigung scheint ebenfalls ein Grund für deren liebevolle Umbenennung gewesen zu sein. Trotz Antipathie erkenne ich auch an. Denn bequem sind sie ja. Und wie.