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Seit gestern weiß ich, wer der Schöpfer dieser transdanubischen Skulptur mit den silbernen Alienbabies ist, die neben dem DC Tower steht. Bruno Gironcoli hieß der gute Mann. Ein österreichischer Künstler, der uns 2010 im 73-jährig verließ und sein Unwesen als Maler und Bildhauer trieb.

In der Arbeit schüchtern bleiben lautet der Titel der Gironcoli gewidmeten Ausstellung, die seit Anfang Februar und bis Ende Mai auf zwei Etagen des mumok läuft. Und im Innenhof des Museumsquartiers, wo ebenfalls Skulpturen ausgestellt sind. Wuchernde futuristische Objekte in Gold, Silber oder Bronze.

Die Kunst des gelernten Schmieds empfand ich als irritierend. Die Skulpturen, die mich teilweise an überdimensionale Sexspielzeuge erinnerten, entstanden zunächst auf Papier. Mit Metallpulverfarbe und Tusche. Mehr als bloß Entwürfe. Eine Vielzahl an Gemälden entsprangen, auf denen mich vögelnde Hunde, Paviane und umgedrehte Menschen verfolgten.

Meine blauweißen Nike Dunk. Ich schrieb darüber. Trug sie selten. Zu selten. Sie mussten weg. Verdienten sich einen besseren Umgang. So stellte ich sie online und bot sie zum Verkauf an. Auf einem allseits bekannten Portal. Der Name tut hier nichts zur Sache. Jedenfalls gingen sie weg. Schnell. Per Abholung.

Diese war außergewöhnlich. Zumindest lief sie nicht so, wie ich Abholungen gewohnt war. Ob ich die Schuhe wieder sehen will, fragte mich die Käuferin. Ich bräuchte nur eine damals in den Startlöchern stehende Vorstellung im Volkstheater besuchen. Meine Dunk werden mitspielen. Als Requisite.

Und so landete ich Wochen später im Theater. Das letzte Mal lag zurück in meiner Schulzeit. Nicht freiwillig also. Diesmal doch. Und mit Schnucki. Neugier, aus der noch ein Kulturwandel entstehen kann. Es hatte gefühlte 40 Grad in den historischen Mauern des Volkstheaters. Aber meine Schuhe waren gut. Ehemalige Schuhe.

Penzing. Ende November. Sonntag Abend. Kurz nach 20 Uhr. Ich war am Heimweg vom Training. Ging zwischen U-Bahn und der Wohnung meiner Freundin. Ich zog mein Handy. Machte ein Foto. Steckte es ein. Ging weiter.

Ein Polizeiwagen fuhr neben mir. Ein kurzer Blick nach links. Ich ging weiter. Der Wagen fuhr weiter neben mir. Im Schritttempo, meinem Schritttempo. Er blieb stehen. Polizei stieg aus. Fragte mich, ob ich kurz Zeit habe.

Personenkontrolle war angesagt. Ich zeigte meinen Personalausweis und wurde gefragt, was ich denn gerade gemacht hatte. Ein Foto war es. Den Grund wollten sie wissen. Das Motiv gefiel mir, was sonst!? Eine Rucksackkontrolle folgte.

Keine Spraydosen in meiner Tasche. Meine Fotoaussage musste wohl stimmen. Sie machten einen Abgang. Lächerlich. Hat unsere Exekutive denn nichts wichtigeres zu tun, als harmlose Street-Art-Bewunderer zu nerven?

Die Stiftgasse 5-9. An und für sich keine Besonderheit. Ein Parkhaus halt. Die Besonderheit verbirgt sich im Inneren. Ein genauerer Blick in den Einfahrtsbereich reicht, um das gewisse Extra zu erkennen. Hermann’s Würstel-Salon. Korrekt. Eine Würstelstand im Parkhaus. Gewöhnungsbedürftig. Wenn nicht sogar bizarr. Tatsache aber: Kultstatus.
 
Und dieser ist wahnsinnig hoch. Denn welche Garage kann von sich schon behaupten, eine eigens integrierte Würstelbude zu besitzen? Und welche Würstelbude kann von sich schon behaupten, ein eigenes Parkhaus zu haben? Nicht viele und auf unsere Stadt beschränkt, womöglich keine andere. Daher nicht nur kultig, sondern auch ziemlich einzigartig.
 
Wer also Bock auf eine Wurst in extravaganter Atmosphäre hat, ist herzlich bei Hermann’s Würstel-Salon am Neubau willkommen. Darüber hinaus könnt ihr auch noch wählen, ob ihr beim Verzehren eurer gebratenen Köstlichkeiten den ein- und ausfahrenden Autos vom Innenraum der Bude oder vom eigenen Schanigarten aus beobachten wollt.

Richtig. Mittlerweile ist es schweinekalt da draußen. Hat aber nichts mit gestrickten Zeug zu tun, das mir neulich vermehrt auf den Straßen oder besser gesagt auf den Gegenständen der Straßen und des öffentlichen Raums begegnet. Bei den bunten Strickereien handelt es sich um eine Form von Street Art, nicht etwa um Winterklamotten für Straßenlaternen.

Urban Knitting, Yarn Bombing, Guerilla Knitting, Radical Stitching oder Knitted Graffiti heißt diese Kunstform, die ihren Ursprung in Amerika hatte und schnell auch in Spanien und England verbreitet war. Seit Beginn der 2010er Jahre haben die bunten Verzierungen aus Wolle auch im deutschsprachigen Raum Anklang gefunden.

Urban Knitting dient neben der Verschönerung des öffentlichen Raums aber auch der Vermittlung von Botschaften, die ursprünglich stark feministisch verankert waren. Verschönert und vermittelt wird mit Elementen, die in den öffentlichen Raum eingebaut werden oder komplette öffentliche Gegenstände eindecken. Großer Vorteil: Null Sachbeschädigung.